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Die Offenbarung des Johannes
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Es ist in gewisser Weise wohl vermessen, sich an das Buch der Offenbarung heran zu wagen. Wie viele Versuche und Deutungen gab es bereits und noch wie viele mehr sind letztlich längst als falsch und irrig bekannt. Es ist daher nicht ohne und auch aus meiner Sicht mit großem Respekt, sich diesem Thema und diesem Buch zu nähern und darüber zu schreiben.
Damit dies Gelingen kann und überhaupt ein brauchbares Ergebnis möglich ist, habe ich im Folgenden die Methoden und meine Vorgehensweise dargelegt. Es soll helfen, diese gedanklichen Wege nachzuvollziehen und gegebenfalls auch Irrtümer und Irrungen hier zu erkennen. Daher sehe ich es auch als positiven Beitrag an, wenn kritische oder korrigierende Anmerkungen kommen.
Grundsätzlich ist aber vorausgesetzt, dass der Leser dieser Arbeit die biblischen Texte relativ gut kennt.

Ausgangspunkt und Methodik der Auslegung der Offenbarung

Die Offenbarung ist das letzte Buch des neuen Testaments und auch zeitlich als vermutlich letztes Buch verfasst worden. Der Verfasser ist der Apostel Johannes, der auch das Johannesevangelium und die 3 Johannesbriefe verfasst hat. Mein Ansatz ist daher weder bibelkritisch noch auf diese heute so verbreiteten Bibelentstehungstheorien bezogen.

Ansatz 1: Die Offenbarung ist als letztes Buch der Bibel 100% Wort Gottes und gültig.

Wenn man die Offenbarung liest, wird deutlich, dass die Offenbarung ständig Bezug nimmt auf bestehende Begriffe, Bilder, Bezeichnungen und Aussagen der vorhandenen Bibel. So sind bereits in den ersten Versen deutliche Bezugnahmen vorhanden:

Offb 1,7 Siehe, er kommt mit den Wolken, und jedes Auge wird ihn sehen, auch die, welche ihn durchstochen haben, und es werden sich seinetwegen an die Brust schlagen alle Geschlechter der Erde! Ja, Amen.

Mt 24,30 Und dann wird das Zeichen des Menschensohnes am Himmel erscheinen, und dann werden alle Geschlechter der Erde sich an die Brust schlagen und werden des Menschen Sohn kommen sehen auf den Wolken des Himmels mit großer Kraft und Herrlichkeit.

Sach 12,10 Aber über das Haus David und über die Einwohner von Jerusalem will ich ausgießen den Geist der Gnade und des Gebets, und sie werden auf mich sehen, den sie durchstochen haben, und sie werden um ihn klagen, wie man klagt um ein einziges Kind, und sie werden bitterlich über ihn weinen, wie man bitterlich weint über einen Erstgeborenen.

Vers 7 zitiert bereits Mt. 24,30 sehr konkret. Es wird dasselbe Ereignis, die Wiederkunft Christi hier bezeichnet.  Jedoch ist auch ein Bezug auf den Propheten Sacharija vorhanden, was mit dem Hinweis auf „durchstochen" deutlich wird.

Die Zitierungen der Offenbarung sind eines der wesentlichen Kennzeichen und Besonderheiten. Diese Zitierungen sind nicht nur auf andere Bücher und Begriffe zu beziehen, sondern kennzeichnen die Offenbarung auch in ihrer inneren Struktur. So ist in den Versen 1,11 bis 1,19 Christus zwischen den Leuchtern beschrieben. Diese Elemente finden sich in jedem der sieben nachfolgenden Sendschreiben. Genauso sind in den Sendschreiben wiederum Details genannt, die dann erst später wieder erwähnt werden (2,27 => eiserner Stab => Off. 12,5, 19,15). Daraus ergeben sich für die Deutung und Auslegung Anhaltspunkte und Verbindungsmöglichkeiten. Aus meiner Sicht ist diese Begriffsnutzung eines der zentralen Verständnispunkte für die Offenbarung. Ich möchte diese Begriffe wie Lesezeichen oder modern ausgedrückt „Links" nennen. Der mit diesen Begriffen verbundene Inhalt (Aussage aus anderer Stelle der Bibel oder auch in der Offenbarung) wird über diese gleichen Begriffe verknüpft und verbunden. Wie Einfügezeichen wird hier der Inhalt und der Sachverhalt aus den anderen Abschnitten eingefügt.

Ansatz 2: Die Begriffe und Zitierungen sind wie Lese- und Einfügezeichen und verbinden die Offenbarung untereinander als auch mit den anderen Büchern der Bibel.

Man kann aus meiner Sicht die Offenbarung mit dem Kopfstein eines Gewölbes vergleichen. Die gesamten vorher angelegten Linien schneiden sich in diesem Punkt und finden dort ihre Erfüllung und ihren Schlusspunkt. Die Offenbarung führt die vielen Linien und Aussagen der Prophetie der Bibel zu einem Abschlusspunkt und beendet diese Linien. Wie der Kopfstein unerlässlich ist für den Halt des Gewölbes, ist daher auch die Offenbarung unverzichtbar und zentral dafür, diese Linien überhaupt zu verbinden und zu finden.

Ansatz 3: Die Offenbarung beendet und schließt die Prophetie der Bibel ab und beendet damit diese.  

Daraus ergibt sich aber auch, dass die Offenbarung des Johannes keine „Neuoffenbarung" ist, sondern völlig abhängig und verbunden mit der bereits bestehenden Prophetie der Bibel ist. Die Offenbarung bewegt sich völlig im Rahmen der bereits bestehenden Prophetie und deren Begrifflichkeit, deren Rahmen und Aussagen. Dies ist ein aus heutiger Sicht wichtiger Punkt. Die Propheten des Alten Testaments hatten die Gemeinde Jesu nicht im Blick. Wenn man nun aber diese Gemeinde so einfach hier und dort einfügt und mit auf Israel bezogene Aussagen verbindet, bricht man mit dem Rahmen der Prophetie und verschiebt die Begrifflichkeit, ändert die Begriffe ab und füllt sie mit anderen Inhalten.

Ansatz 4: Die Offenbarung baut völlig auf die bereits vorhandene Prophetie der Bibel auf und bewegt sich im Rahmen dieser bestehenden Aussagen, ergänzt und erweitert diese, nicht aber als Neuoffenbarung.

Betrachtet man die Offenbarung selbst oberflächlich als auch intensiver, ist unverkennbar eine Struktur in diesem Buch gegeben. Es gibt immer wieder siebener Gruppierungen (7 Sendschreiben, Siegel, Posaunen, Schalen, Hörner, Geister ….). Inhaltlich wiederholen sich Gegebenheiten und werden aus anderer Perspektive, Umfang oder Art dargestellt. So tritt das Tier aus Off. 13 in Off. 17/18 als auch in Off. 12 auf. Die Hure Babylon in Off. 17/18 fällt in Off. 14,8 und 16,19.
Es ist daher nicht davon auszugehen, dass die Beschreibung der Ereignisse streng chronologisch erfolgt. Aus meiner Sicht sind die Blöcke in sich chronologisch (z.B. 7 Siegel, 7 Posaunen ….), jedoch laufen diese nicht zwingen nacheinander ab, sondern können parallel verlaufen, zeitlich versetzt. Daher ist für die Abklärung von parallelen Ereignissen und Abläufen wichtig, anhand der in der Offenbarung gegebenen Begrifflichkeiten diese sauber zu erarbeiten und zuzuordnen.

Ansatz 5: Die Offenbarung ist nicht chronologisch sondern beschreibt in Abschnitten parallel oder zeitlich versetzt ablaufende Ereignisse.


Praktische Folgerungen aus diesen Ansätzen

Ohne vorher die gesamte Prophetie strukturell zu erfassen, ist es fast unmöglich, die Offenbarung zu erarbeiten oder zu erfassen. Man kann nicht einfach mit der Offenbarung die Auslegung selbst starten, weil man dann zu sehr die Begriffe und Aussagen nach eigenem Gusto definiert und zusammen baut. Das bedeutet aber eine intensive Arbeit am Wort und an der Prophetie. Daraus folgert, dass man nicht einfach mal auf die Schnelle hier Ergebnisse erzielt, sondern über Jahre an diesem Thema dran bleiben muss und sich intensiv damit zu beschäftigen hat.
Zudem muss man die Begriffe der Bibel erarbeiten und im Rahmen der vorherigen Bibelaussagen deuten. Das ist komplex und mühsam. Anderseits ist für jeden, der im Wort geübt ist, die Begrifflichkeit der Bibel weitgehend vertraut. Man kennt die vielen Bezeichnungen Christi, viele andere Namen und Aussagen bereits gut, so dass vielfach einfach nur die konsequente Anwendung und Zuordnung fehlt.
Enorm hilfreich und vorteilhaft ist hier sicherlich, wenn man die Grundsprache Hebräisch und Griechisch gut könnte und dann anhand der originale Texte arbeiten könnte. Jedoch –das ist eine der Einschränkungen und sicherlich noch korrekturbedürftigen Punkte – verfüge ich selbst nicht über diese Sprachkompetenz. Ich arbeite mit der Schlachterbibel 1951 und Bibelprogrammen, welche Begriffe, Abschnitte möglich genau erläutern. Daher ist hier meine Arbeit nicht vollständig und von entsprechend kompetenten Anderen zu ergänzen und ggf. zu korrigieren.
Mein Ansatz ist daher auch nicht, jedes Detail bis in das letzte hinein auszuarbeiten, sondern über die Strukturen und Zuordnungen, den Rahmen der Prophetie zu klären, so dass dieses „Netz" dann von anderen feinmaschiger und im Detail genauer erarbeitet wird.

Schwachpunkte bisheriger Auslegungen der Offenbarung

Wie aus meinen Ansätzen bereits zu ersehen, fehlt mir bei den mir zugänglichen Auslegungen der Offenbarung vielfach die Methodik. Es wird diese Buch für sich allein behandelt und sehr willkürlich interpretiert, ausgelegt und gedeutet. Diese Willkürlichkeit ist dann entsprechend der Lehrtradition dann mit entsprechenden Schwächen. In der Tradition des Darbysmus/Dispensionalismus wird eine Gemeindezeit getrennt von der Zeit Israels angesetzt und in den ersten Versen Kap. 4 dann die Entrückung hineingedeutet. Damit ist die Wiederkunft Christi vor den eigentlichen Geschehnissen der Offenbarung erfolgt und praktisch die Offenbarung für Christen (welche an der Entrückung teilnehmen) gar nicht mehr relevant. Damit stülpt man der Offenbarung aber ein Lehrschema über, eine Auslegung, die gar nicht belegt ist. Die Argumente dafür, dass es eine vorherige, verborgene Entrückung und später eine für alle sichtbare Wiederkunft Christi gibt, sind mehr als dürftig und strittig.

Die andere Ausdeutung macht aus der Offenbarung vielfach eine bereits erfüllte Prophetie und legt diese Ereignisse völlig anders aus. Das 1000jährige Reich, das Auftreten des Tieres usw. sind dann längst schon geschehen. Diese Lehrrichtung wird von Kirchen, moderner Theologie als auch aus Richtung der Amilleniallismus vertreten.

Besonders hervorstechend sind viele Ausdeutungen, bei denen Israel von der Gemeinde Jesu ersetzt wird. Die 144000 aus Israel werden damit zur Gemeinde umgedeutet und folglich auch diese Aussagen völlig anders, als der bisherige Kontext der Prophetie gedeutet. Israel existiert bei diesen Auslegungen gar nicht mehr als Bestandteil des Plans Gottes.

Um im Folgenden nun genauer und auch meinen Ansätzen folgend die Offenbarung auszuarbeiten, ist daher wichtig, die in den anderen Aufsätzen und Artikeln erarbeiteten Punkte zusammen zu tragen, um den Rahmen für die Deutung in der Offenbarung zu haben.


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