Sind die 70 Jahrwochen bereits erfüllt? - Vollendung

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Sind die 70 Jahrwochen bereits erfüllt?

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Die 70-zigste Jahrwoche nach Daniel 9: Zukunft oder Geschichte

In der Beschäftigung mit der Endzeit hat diese 70.-Jahrwoche nach Daniel 9 eine besondere Bedeutung. In dem Aufsatz "die 70 Jahrwochen nach Daniel" habe ich im Zeitschema diese Stelle bereits angeschnitten.

Mit dieser Auslegung dieser 70. Jahrwoche stehen oder fallen folgende Ansichten:

  • die letzten 7 Jahre vor der sichtbaren Wiederkunft Christi sind diese 70. Jahrwoche

  • Israel wird in dieser Zeit wieder im Land sein, ein Bündnis mit einem Fürsten machen

  • dieses Bündnis wird gebrochen und die letzten 3 1/2 Jahre brechen an

  • die Ereignisse der Offenbarung beziehen sich auf diese 3 1/2 Jahre (42 Monate, 1260 Tage, eine Zeit, zwei Zeiten und eine Halbe) 

  • zwischen der 69 und 70. Jahrwoche liegt eine Zwischenphase unbestimmter Länge


Es gibt aber eine davon stark abweichende Ansicht. Nach dieser sind diese 70 Jahrwochen bereits abgelaufen und haben sich in den Ereignissen um 70  n. Chr. erfüllt. Hierzu sind mir folgende Ansichten bekannt:

Alternative Sicht von Gerhard Maier
Entsprechend der von Gerhard Maier geäußerten Ansicht sollen die 70 Jahrwochen (er sieht diese analog auch als 7x70 Jahre) mit der Zerstörung und Wegführung Israels begonnen haben. Nach ca. 50 Jahren ist Cyrus (oder auch Kores, der persische König) an die Macht gekommen und dem die Juden wieder in ihr Land zurück kehren konnten. Dieser Cyrus ist der Gesalbte, der Fürst, der nach den ersten 7 Jahrwochen auftritt, also nach 7x7=49 Jahren. Danach erfolgt der Aufbau Jerusalems, wobei hier die Zwischenphase, in der ca. 20 Jahre lang die Arbeiten ruhten, nicht zählen. Die 62 Jahrwoche endet hier ca. um Christi Geburt (= Ende 69 Jahrwoche). Die 70. Jahrwoche ist dann die Zeit Jesu ab der Taufe im Jordan. Das Greul ist demnach die Kreuzigung Christi. Gerhard Maier sieht die 70. Jahrwoche in mehrfacher Hinsicht: einmal als Zeit Jesu, einmal als Gerichtszeit 70 n Chr. und einmal als noch kommende Zeit während des Antichristen.

Alternative Sicht (Bundestheologie)
Eine andere Sicht ist beispielsweise bei H.W. Deppe unter www.dispensionalismus.de geäußert. Sie wird aber auch von anderen vertreten: Maryn Llyod-Jones, KH Kaufmann (jedoch etwas modifiziert als hier dargestellt)  Nach dieser Sicht endet die 69. Jahrwoche mit dem Beginn des Dienstes Christi (Taufe am Jordan). Die 70. Jahrwoche ist auch hier die erste Hälfte des Dienstes Christi bis zur Kreuzigung und die 2. Hälfte die Zeit danach, die dann in der Zerstörung Israel endet. Interessant ist hier der Hinweis, dass er die Zahl 7x70 in der Antwort Jesu auf Petrus Frage nach der Häufigkeit des Vergebens auf Israel anwendet. Aus dieser Sicht und anderen Punkten folgert Deppe im Übrigen, dass Israel mit der Verwerfung Christi jegliche Stellung und Stand in dem Wirken Gottes verloren hat, also keine künftige Sammlung oder besondere Stellung zu erwarten hat. Israel ist durch die Gemeinde ersetzt worden (Bundestheologie =>das Israel des alten Bundes ist durch das geistliche Israel, die Gemeinde des neuen Bundes ersetzt worden).


Wichtig ist für mich zu ergründen, was tatsächlich mit diesen 70 Jahrwochen gemeint ist. Daher will ich mich im wesentlichen nur noch diesem Textabschnitt widmen.

  • Dan 9,24   Siebzig Wochen sind über dein Volk und über deine heilige Stadt bestimmt, um die Übertretung zum Abschluß zu bringen und den Sünden ein Ende zu machen, {Nach and. Les.: die Sünden zu versiegeln} und die Ungerechtigkeit zu sühnen und eine ewige Gerechtigkeit einzuführen, und Gesicht und Propheten zu versiegeln, und ein Allerheiligstes zu salben.

  • Dan 9,25   So wisse denn und verstehe: Vom Ausgehen des Wortes, Jerusalem wiederherzustellen und zu bauen, bis auf den Messias, den Fürsten {Eig. bis auf einen Gesalbten, einen Fürsten}, sind sieben Wochen und 62 Wochen. Straßen und Gräben werden wiederhergestellt und gebaut werden {Eig. Es (Jerusalem) wird wiederhergestellt usw. werden zu Straßen und Gräben}, und zwar in Drangsal der Zeiten.

  • Dan 9,26   Und nach den 62 Wochen wird der Messias weggetan {Eig. ausgerottet} werden und nichts haben. Und das Volk des kommenden Fürsten wird die Stadt und das Heiligtum zerstören, und das Ende davon wird durch die überströmende Flut sein {O. die Stadt und das Heiligtum wird das Volk des Fürsten zerstören, welcher kommen und dessen Ende in der überströmenden Flut sein wird}; und bis ans Ende: Krieg, Festbeschlossenes von Verwüstungen.

  • Dan 9,27   Und er wird einen festen Bund mit den Vielen {d.h. mit der Masse des jüdischen Volkes} schließen für eine Woche; und zur Hälfte der Woche wird er Schlachtopfer und Speisopfer aufhören lassen. Und wegen der Beschirmung der Greuel {Viell. der Greuelgötzen. O. über den Flügel (Beschirmer) der Greuel} wird ein Verwüster kommen {And. üb.: neben dem Flügel (näml. der Cherubim) werden Greuel der Verwüstung stehen}, und zwar bis Vernichtung und Festbeschlossenes {Vergl. Jes. 10,23; 28,22} über das Verwüstete {And.: den Verwüster}


Diese Vision beginnt damit, dass Daniel über dem Propheten Jeremia brütet und dort den Hinweis findet, dass Jerusalem 70 Jahre wüst liegen soll, bis dass sich Gott seines Volkes wieder erbarmt.  Diese 70 Wochen stehen im Zusammenhang mit der Sünde Israels. Als Absonderung für Gott sollte es den Sabbath  halten, statt dessen missachtete es alle Gebote. So auch dieses Absonderungsgebot. Daher legte Gott dem Volk Israel diese 70 Jahre (10x7) als Strafe auf.
Bei den 70 Wochen des Daniel handelt es sich aber nicht um 70 Jahre, sondern um 70x7 Jahre, d.h. 490 Jahre, die über das Volk Israel gelten. Die Gleichsetzung von Woche mit 7 Jahren können wir aus 1. Mose 29, 16-30 folgern, wo gleichsinnig eine Woche als auch 7 Jahre genannt werden. In dieser Gleichsetzung von Woche = 7 Jahre sind sich die Ausleger fast ausnahmslos einig. 
Ich will nun im folgenden die wesentlichsten Punkte dieser Prophetie zusammenfassen:

Start der 70 Jahrwochen
"Vom Ausgehen des Wortes, Jerusalem wieder herzustellen und zu bauen" Diese Aussage ist der Starttermin dieser 70 Jahrwochen. Es geht also um die Frage, wann der Befehl für die Wiederherstellung Jerusalems als Stadt erfolgte. Es ist hier nicht die Zerstörung Jerusalems (siehe G. Maier) oder die Errichtung des Tempels gemeint, sondern die Stadt. Natürlich ist der Tempel Teil dieser Stadt, aber eben nur Teil. Es ist meines Erachtens daher mit hoher Sicherheit zutreffend, eben den Starttermin aus dem Buch Nehemia zu übernehmen (Kap. 2) und somit beim Jahr 445 v. Chr. diesen Beginn anzusetzen, da diese Stelle in der Bibel selbst genannt wird (Auslegung Wort mit Wort, nicht mit außerbiblischen Belegen) und eben genau der Wiederaufbau Jerusalems hier genannt ist. 

7 + 62 Wochen
In V 25 werden nun 7 + 62 Wochen als Zeitraum bis zum Messias genannt.  Ob diese 7 Wochen sich auf den ersten König/Fürsten in Israel beziehen, ist möglich, aber für die Auslegung ohne Belang, da die 7 Wochen und die 62 Wochen zusammengezählt genannt werden. Sie beschreiben einen Zeitraum beginnend ab dem Befehl bis zum Messias. Addiert man zu der Jahreszahl 445 v. Chr. diese 69x7 Jahre als 360 oder 365 Tagesjahre dazu (in der Bibel zählen meist 360 Tage im Jahr), kommt man in den Bereich von 30 bis 38 n. Chr. also direkt in den Zeitraum des Dienstes Christi. Daher ist der Messias als Christus zu erkennen. Diese 69 Wochen werden als Wiederaufbauzeit in bedrängter Zeit benannt. Wenn man bedenkt, das Israel in dieser Zeit von den Griechen erobert wurde, die Ptolmäer (besonders Antiochus IV hier wütete), die Zeit der Makkabäeraufstände, die Besetzung des Landes durch die Römer erfolgte, ist diese Zeit wirklich als bedrängt und als notvolle Zeit anzusehen.

Nach der 62 Woche
In V27 wird die letzte Woche genannt, in der dieser Bund stattfinden soll. V 26 beginnt mit der Aussage "nach 62 Wochen".  Es ist daher absolut richtig, die Ereignisse des Verses 26 außerhalb dieser 70 Jahrwochen anzusetzen.  Diese hier genannten Ereignisse sind nach der 62 Woche, aber noch nicht Teil der 70 und letzten Jahrwoche. Dies wird leider bei den meisten Auslegungen übersehen. Nach diesen 62 Wochen ist der Messias nicht mehr, hat nichts mehr, das Volk des kommenden Fürsten zerstört die Stadt und das Heiligtum. Dieser Krieg wird bis zum Ende andauern, also offensichtlich auch in die 70 Jahrwoche. Aus der Geschichte ist bekannt, das Christus ca. 31 gekreuzigt wurde. Jerusalem wurde von den Römern unter Titus um 70 n.Chr. zerstört. Diese Ereignisse sind also nicht innerhalb der Jahrwochen (nicht 7 sondern ca. 40 Jahre nach Ende der 69 Woche=Tod Christi), sondern in der Zwischenzeit der 69 zur 70. Jahrwoche. In dieser Zwischenzeit befinden wir uns offensichtlich noch immer, da der Krieg um Jerusalem offenkundig noch immer nicht beendet ist.

Die 70. Jahrwoche
In der Zwischenzeit ist das Volk des kommenden Fürsten verantwortlich für die Zerstörung der Stadt. In V27 kommt nun dieser Fürst selbst und macht dieses Bündnis. Die Übersetzung von V. 27 ist in den verschiedenen Übersetzungen so unterschiedlich, dass eigentlich auch diese Aussage schon kritisch zu sehen ist. Fest steht, dass das Volk ein Bündnis machen wird, dieses Bündnis gebrochen wird, Speisopfer/Schlachtopfer beendet werden, Greul an Heiliger Stätte aufgestellt werden, bis eben diese Verwüstungen vollendet sind. Aus den Opferungen ist unzweideutig zu folgern, dass es wieder einen Tempel in Jerusalem geben wird, da diese Opfer untrennbar damit verbunden sind. Durch die Zitierung dieser Stelle in Mt. 24 ist auch davon auszugehen, dass Greul an dieser Heiligen Stätte aufgestellt werden. Was diese genau sind, ist aber unklar. 

Nach der 70. Jahrwoche

In Vers 24 wird genannt, dass die 70 Jahrwochen eine Frist sind,   um die Übertretung zum Abschluß zu bringen und den Sünden ein Ende zu machen, {Nach and. Les.: die Sünden zu versiegeln} und die Ungerechtigkeit zu sühnen und eine ewige Gerechtigkeit einzuführen, und Gesicht und Propheten zu versiegeln, und ein Allerheiligstes zu salben.
Die Absicht dieser 70 Jahrwochen ist daher die Heiligung, die Reinigung Israels. Es soll in einen Zustand der Gerechtigkeit, der Reinheit geführt werden. Prophetien, Gesichte sind beendet und das Allerheiligste ist wieder gesalbt. Aus den ersten Worten von V. 24 folgert auch, dass diese danach genannten Ereignisse, sich auf das Volk Israel beziehen. Es geht hier nicht um die Reinigung der Welt von Sünden, sondern um die Reinigung Israels, es geht hier um die Heiligung Israels als Volk Gottes. 

Ist Christus die Erfüllung von V24
Viele interpretieren die Erfüllungen nach der 70. Jahrwoche auf das Kreuz und die Rechtfertigung der Welt von Sünde in Christus. Christus ist die Erfüllung aller Prophetie und und beendet die Sünde, indem er sie gesühnt hat. Sieht man sich diesen Vers genauer an, hakt diese Sicht an mehreren Punkten:
Dan 9,24   Siebzig Wochen sind über dein Volk und über deine heilige Stadt bestimmt, um
die Übertretung zum Abschluß zu bringen und den Sünden ein Ende zu machen, {Nach and. Les.: die Sünden zu versiegeln} und die Ungerechtigkeit zu sühnen und eine ewige Gerechtigkeit einzuführen, und Gesicht und Propheten zu versiegeln, und ein Allerheiligstes zu salben.

Es geht bei dieser Prophetie um Israel und Jerusalem, die heilige Stadt, wobei hier im Wortsinn die Stadt und das Heiligtum direkt genannt werden. Das, was an 5 Punkten danach genannt ist, müss daher für Israel und Jerusalem/dem Tempel gelten. Wir finden aber etwas ganz anders, als das, was hier für Israel prophezeit wurde:

  • Israel hat weder den Messias angenommen, noch sich bekehrt. Vielmehr sind sie verstockt und weisen bis heute das Evangelium und den Messias entschieden ab. Paulus schreibt von einer Verstockung, einer Decke, so dass sie nicht sehen und erkennen

  • In Christus ist die Sünde sicherlich gesühnt, jedoch gilt das nur für jene, die dieses Opfer annehmen, automatisch ist das nicht. Da Israel dieses Opfer nicht annahm und annimmt, ist daher weiterhin die Sünde ungesühnt und die Übertretungen gehen weiter, die Ungerechtigkeit ist nach wie vor in Israel und für die Juden gegeben

  • die ewige Gerechtigkeit herrschte für Israel nie noch wurde ein Allerheiligstes gesalbt


Vielmehr haben wir nach dem Tod Christi genau das Gegenteil dessen, was eigentlich der Abschluss der 70 Jahrwochen sein sollte:

  • Israel verrannte sich noch mehr in die Gesetzlichkeit und den Hass auf die Nachfolger Christi.

  • Israel versucht aus eigener Kraft  das Joch der Römer abzuschütteln

  • Es wurde dann aber vernichtend geschlagen, Jerusalem und der Tempel sind vernichtet und bis heute nicht wieder aufgebaut und vollständig. Das Land ist bis heute umkämpft. Das Volk wurde in alle Welt vertrieben und wird bis heute verfolgt. Es steht noch immer unter dem Fluch von 5. Mose 28ff. Dieser Fluch wurde zum Teil erst bei der Vertreibung von 70 n. Christus erfüllt!

  • In Israel sollte eigentlich die Prophetie nach der 70. Jahrwoche versiegelt sein. Tatsächlich sagt aber z.B. Micha aus, dass gerade in den letzten Tagen die Kinder Israels Gesichte und Visionen haben sollen. Auch Johannes der Apostel schrieb mit der Offenbarung eine Prophetie nieder. Es ist also kein Versiegeln der Propheten zu erkennen (so ist die wörtliche Übersetzung des Textes)



Aus dieser kurzen Aufstellung ist folgendes ersichtlich:

  • Christus ist nicht der Fürst in der 70 Jahrwoche, da er noch davor, eben nach der 62 Woche ausgerottet ist und nichts mehr hat. 

  • Zudem kann er als Israelit nicht zu dem Volk gehören, welches Jerusalem zerstört. Die Römer zerstörten Jerusalem und sind das Volk des Fürsten, welcher das Bündnis in V 27 mit Israel machen wird. 

  • die 70 Jahrwoche kann sich nicht auf die Zeit Christi auf Erden beziehen, da vorher die Zerstörung Jerusalems und des Tempels erfolgen muss. Daher ist eine Auslegung dieser 3 1/2 Jahre (halbe Jahrwoche) auf den Dienst Jesu auf Erden (auch ca. 3 Jahre) nicht haltbar.

  • wenn der Tod Christi sich auf V 24 beziehen soll und "um die Übertretung zum Abschluß zu bringen und den Sünden ein Ende zu machen, {Nach and. Les.: die Sünden zu versiegeln} und die Ungerechtigkeit zu sühnen und eine ewige Gerechtigkeit einzuführen" gelten soll, muss mit diesem Ereignis dann auch gelten "Gesicht und Propheten zu versiegeln, und ein Allerheiligstes zu salben". Tatsächlich haben aber nach dem Tod Christi die Apostel noch prophetisch geredet. Die Offenbarung des Johannes ist ca. 80/90 n. Chr. geschrieben worden, also deutlich nach der 70. Jahrwoche in jener Auslegung. Es ist daher unmöglich, das Ende der Jahrwochen auf 70. n. Chr. oder gar früher anzusetzen.

  • der Bezug von V24 (Übertretungen zum Abschluss bringen, Sünden ein Ende zu machen...) ist Israel, nicht die Welt (Nationen oder Heiden genannt). Diesen ausschließlichen Bezug hat der Kreuzestod Christi nicht. Jener gilt für alle Menschen, gerade nicht nur für die Juden. Daher ist V. 24 auch nicht auf den Kreuzestod beziehbar.


Man kann daher die Auslegungsversuche, die 70 Jahrwochen als bereits abgeschlossen und als erledigt anzusehen, als gescheitert ansehen. Man kann über den Starttermin der Jahrwochen diskutieren, man kann die Jahre als 360 Tage oder 365 Jahre ansetzen, man kann Schalttage usw. einfügen. Unstrittig führen diese Jahrwochen aber nach ca. 69 x 7 Jahren in eine Zeit um oder vor der Kreuzigung Christi. In jedem Fall ist aber mit dem Tod Christi die 69 Jahrwoche beendet, jedoch die 70 Jahrwoche bzw. die Ereignisse nach Vollendung dieser Jahrwochen nicht eingetreten. Die 70. Jahrwoche ist daher eindeutig als künftig und noch ausstehend anzusehen.

Doch wie soll sicher bewiesen sein, dass die Ansicht der künftigen 70. Jahrwoche im Wort besser verankert und bewiesen ist. Ich will hierzu folgende Argumente anführen:

  • Jesus Christus hat in seiner Rede am Ölberg die Greul der Verwüstung von Daniel angekündigt. Damit beginnt die "große Trübsal", die mit dem sichtbaren Kommen Christi beendet wird. Dies zeigt als Parallelstelle an, dass diese 70. Jahrwoche zurecht als Zeit in den letzten Tagen vor dem sichtbaren Kommen Christi einzuordnen ist

  • in Lk 21,19ff wird die Zerstörung Jerusalems 70 n. Chr. beschrieben, jedoch wird in V. 24 zugleich angekündigt, dass diese Stadt bis zum Ende der Zeit der Heiden zertreten sein wird. Dies deckt sich mit der Aussage aus Dan. 9,26b, wo eben auch bis auf das Ende des Krieges diese Zerstörung angekündigt ist. Zuletzt wird auch in Off. 11,2 das Zertreten des Heiligtums durch Heiden angekündigt. Es sind also auch hier die Parallelen vorhanden. Siehe auch "Zeit der Heiden"

  • die Versiegelung der Prophetie, das Ende der Gesichte wird parallel in Sach. 13 angekündigt. Es wird keine Prophetie und Gesichte mehr geben. Diese Zeit ist aber erst dann, wenn Israel durch die Ankunft des Durchbohrten (Christus) befreit worden ist. Da die 70. Jahrwoche mit der sichtbaren Wiederkunft Jesu beendet ist, liegt also auch hier Dan. 9,24 parallel zu Sach. 13 sowohl in Aussage als auch Zeitfolge.

  • Die weitere Parallele von Sach. und Daniel ist das Abtun der Sünde. Götzen, Unreinigkeit, Sünde usw. wird aus Israel hinweggeschafft. Dies ist genau die Aussage von Dan. 9,24. Dies erfolgt erst nach der Befreiung Israel durch den Messias, wenn eben jener als König und vom Kreuzestod Auferstandener kommt. (vgl. Sach. 12,10, Off. 1,7)


Folgerungen
Aus dieser kurzen Betrachtung der 70 Jahrwochen Daniels lässt sich aber noch folgendes klar sehen:
Israel ist nicht in der Gemeinde aufgegangen. Die Gemeinde hat Israel nicht ersetzt. Vielmehr steht Gottes großes Handeln an seinem Volk noch aus. Er wird sich an seinem Volk vor den Augen aller Nationen noch als großer, gerechter und herrlicher Gott beweisen. Die Annahme der Bundestheologie, wonach Israel abgetan ist, fußt auf falschen Auslegungen über diesen 70 Jahrwochen und nimmt den Blick auf das Handeln Gottes. Was aber auch deutlich beachtet werden muss, ist, dass diese 70 Jahrwochen Israels nichts mit der Gemeinde zu tun haben. Es ist daher die Annahme einer Vorentrückung als Vorbedingung auf diese 70. Jahrwoche genauso falsch wie die Bundestheologie. Israel ist erwähltes Volk dieser Erde, die Gemeinde ist das geistliche Volk Gottes für den Himmel. Israels Reich ist von dieser Erde, das Reich der Gemeinde wird der Himmel sein. Daher sind dies 2 parallele Vorgänge und Linien, die erst in der Ewigkeit, im neuen Jerusalem zusammen finden, wenn eben die Gläubigen aus allen Zeiten im neuen Jerusalem vereint sind. Dort sind die 12 Stämme und die 12 Apostel die Grundfesten und Tore des neuen Jerusalems.



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